Tabaksteuer auf Shisha-Tabak: Der Stufenplan bis 2030 und was Deine Dose künftig kostet
Tabaksteuer auf Shisha-Tabak: Der Stufenplan bis 2030 und was Deine Dose künftig kostet
Stand: 03.07.2026
Rund 27 bis 30 Euro kostet eine 200-Gramm-Dose Shisha-Tabak heute je nach Marke. Geht es nach dem Bundesfinanzministerium, könnte dieselbe Dose zum Ende des Jahrzehnts bei bis zu 60 Euro liegen – so jedenfalls rechnet es der Bundesverband Wasserpfeifentabak vor. Grundlage ist ein Referentenentwurf vom 29. Juni 2026, der die Tabaksteuer in vier Jahresschritten anheben will. In den Shisha-News von shisha-shop.de nehmen wir den Entwurf auseinander: Wie die Rechnung zustande kommt, wo der Plan selbst Widersprüche hat und welche Optionen Dir als Konsument bleiben.
Die geplanten Stufen: von 56 auf 188,46 Euro pro Kilogramm
Wasserpfeifentabak wird – anders als Zigaretten mit ihrem preisabhängigen Steueranteil – im Wesentlichen nach Gewicht besteuert. Heute summiert sich die Belastung auf etwa 56 Euro je Kilogramm. Der Entwurf sieht vor, diesen Wert über vier Stufen von 2027 bis 2030 auf insgesamt 188,46 Euro je Kilogramm zu hieven. Allein die erste Stufe zum 1. Januar 2027 entspricht einem Plus von knapp 89 Prozent – der größte Einzelsprung des gesamten Fahrplans.
Technisch setzt sich die Steuer aus zwei Bausteinen zusammen. Der eine ist die allgemeine Grundsteuer für Pfeifentabak, die von derzeit rund 41 Euro auf bis zu 165 Euro je Kilogramm klettern soll – hier findet die eigentliche Verteuerung statt. Der andere ist die 2022 eingeführte Zusatzsteuer speziell für Wasserpfeifentabak in Höhe von 23 Euro je Kilogramm, an der der Entwurf nicht rührt. Weil die Sätze pro Kilogramm gelten, trifft die Erhöhung jede Marke und jede Geschmacksrichtung in identischer Höhe.
Hintergrund des Vorstoßes ist der Eckwertebeschluss der Bundesregierung vom 29. April 2026 zur Haushaltskonsolidierung. Angehoben werden sollen dabei sämtliche Tabaksteuer-Kategorien – von Zigaretten über Feinschnitt, Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak bis zu erhitztem Tabak und Substituten. Die Tabaksteuer ist mit rund 17,4 Milliarden Euro Aufkommen im Jahr 2025 nach der Energiesteuer die zweitgrößte Verbrauchsteuer des Landes; die Mehreinnahmen aus der Reform würden komplett beim Bund landen, während Länder und Kommunen nichts davon sehen.
Kleine Kategorie, größter Aufschlag: die Schieflage im Entwurf
Bemerkenswert ist, wie ungleich die Lasten verteilt sind. Für 2027 kalkuliert das Ministerium mit Steuermehreinnahmen von insgesamt rund 756 Millionen Euro – davon entfallen nach eigenen Zahlen gerade einmal etwa 31 Millionen Euro auf Wasserpfeifentabak. Zigaretten sollen im selben Jahr 209 Millionen Euro zusätzlich einspielen, Feinschnitt sogar 299 Millionen Euro. Für den Bundeshaushalt ist Shisha-Tabak also ein Randposten – prozentual wird aber keine Kategorie stärker angehoben, weil die Ausgangsbasis vergleichsweise niedrig lag.
Dazu kommt eine Besonderheit des Produkts: Fertiger Wasserpfeifentabak besteht nur zu einem kleinen Teil aus echtem Tabak, der Rest ist Feuchthaltemittel und Aroma. Rechnet man die Steuer auf den tatsächlichen Tabakanteil um, liegt die Belastung höher als bei jeder anderen Kategorie des Entwurfs. Auch im europäischen Kontext fällt der deutsche Plan aus dem Rahmen: Die EU-Kommission hatte in ihrem Richtlinienvorschlag vom Juli 2025 für vergleichbare Produkte einen Mindestsatz von etwa 107 Euro je Kilogramm angesetzt – der deutsche Zielwert liegt weit darüber.
Preisentwicklung der 200-Gramm-Dose: Rückblick und Ausblick
Wie stark sich die Steuerpolitik im Regal niederschlägt, zeigt der Blick auf die letzten Jahre. 2021, vor der letzten großen Steuerrunde, lag eine 200-Gramm-Dose bei etwa 15,90 Euro. Heute sind je nach Hersteller 27 bis 30 Euro fällig – fast eine Verdopplung in fünf Jahren. Käme der Entwurf unverändert durch, folgt 2027 mit der 89-Prozent-Stufe der nächste kräftige Sprung, und nach der vierten Stufe 2030 landet die Dose nach Verbandsschätzung bei bis zu 60 Euro.
Erwähnenswert dabei: Die 200-Gramm-Dose gibt es überhaupt erst seit Juli 2024 wieder regulär zu kaufen – dazwischen lag die Phase der 25-Gramm-Obergrenze. Am grundsätzlichen Mengenvorteil großer Dosen gegenüber kleinen Portionsgrößen ändert der Entwurf nichts; der Abstand beim Grammpreis schrumpft durch die Steuer zwar, bleibt aber bestehen. Diesmal käme der Kostenschub nicht über die Packungsgröße, sondern direkt über den Steuersatz.
Der Präzedenzfall: Was zwischen 2022 und 2024 schiefging
Dass gut gemeinte Eingriffe in diesem Markt nach hinten losgehen können, hat die 25-Gramm-Regel eindrucksvoll bewiesen. Von Juli 2022 bis Juni 2024 war der Verkauf von Wasserpfeifentabak auf Packungen mit maximal 25 Gramm beschränkt – erklärtes Ziel war die Bekämpfung des Schwarzmarkts. Eingetreten ist das Gegenteil: Der Marktpreis schoss auf über 170 Euro je Kilogramm, die versteuerte Menge brach um rund 90 Prozent ein, und das Steueraufkommen der Kategorie fiel unter 42 Millionen Euro.
Dass die Raucher nicht einfach aufgehört haben, lässt sich indirekt belegen: Die Nachfrage nach Shisha-Kohle blieb im gesamten Zeitraum stabil. Der Konsum verlagerte sich also in unversteuerte Kanäle – der Zoll schätzte den Anteil illegaler Ware ohne Steuerbanderole zeitweise auf bis zu 80 Prozent des Marktes. Im Sommer 2024 wurde die Regel gekippt. Kritiker des aktuellen Entwurfs führen genau diese Episode ins Feld: Wer die legale Ware drastisch verteuert, riskiert denselben Effekt erneut.
Wen die Erhöhung treffen würde – und wohin Ausweichen nicht führt
Der legale Markt in Deutschland hängt an etwa 5.000 Shisha-Bars, rund 2.500 Verkaufsstellen und ungefähr 200 Großhändlern; nach Verbandsschätzung greifen hierzulande etwa 1,5 Millionen Menschen zumindest gelegentlich zur Wasserpfeife. Für Bars gilt dieselbe Kilogramm-Steuer wie für den Handel – ob der Tabak als Dose über die Theke geht oder portionsweise in Köpfen ausgegeben wird, spielt steuerlich keine Rolle. Höhere Einkaufspreise dürften dort also frĂ¼her oder später in den Preisen pro Kopf ankommen.
Und wer glaubt, mit dem Wechsel zu Liquids oder Einweg-Vapes der Entwicklung zu entgehen, findet im Entwurf keine Lücke: Substitute für Tabakwaren sollen parallel von 0,33 Euro je Milliliter im Jahr 2027 auf 0,36 Euro ab 2030 steigen. Eine steuerlich verschonte Ausweichroute sieht der Plan schlicht nicht vor. Immerhin: Shisha-Kohle fällt nicht unter das Tabaksteuergesetz und bleibt von den Stufen unberührt.
Noch ist nichts beschlossen: der weitere Fahrplan
So drastisch die Zahlen klingen – rechtlich ist der Entwurf bislang nur ein Vorschlag aus dem Finanzministerium. Er muss zunächst innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden und anschließend durch Bundestag und Bundesrat. Änderungen an einzelnen Stufen oder Sätzen sind in diesem Verfahren möglich; dass die Richtung insgesamt noch kippt, gilt allerdings als unwahrscheinlich, denn alle vier Jahresschritte sind fest im Entwurf verankert.
Die offizielle Frist für Verbands-Stellungnahmen ist am 30. Juni 2026 um 13 Uhr abgelaufen – der Bundesverband Wasserpfeifentabak hatte bis dahin Gelegenheit, seine Position beim zuständigen Referat (erreichbar unter IIIB4@bmf.bund.de) einzureichen. Dir als Verbraucher bleibt dieser Weg trotzdem nicht versperrt: Eine sachliche E-Mail an den Bundesfinanzminister (lars.klingbeil@bundestag.de) kann jederzeit geschrieben werden. Sinnvoll ist dabei, kurz zu schildern, wer Du bist, wie sich die Erhöhung konkret auf Dich auswirken würde – etwa am Preis Deiner Stammsorte – und weshalb Du das Ausmaß der Stufen für verfehlt hältst, verbunden mit der Bitte um Überprüfung der Pläne.
Für Dein Hobby ändert sich im Moment nichts: Auf shisha-shop.de bekommst Du weiterhin das komplette Sortiment an Shisha-Tabak in allen gängigen Packungsgrößen sowie die passende Naturkohle – günstig, schnell geliefert und sorgfältig verpackt. Sobald sich im Gesetzgebungsverfahren etwas bewegt, liest Du es zuerst in unseren Shisha-News.
Häufig gestellte Fragen zur Tabaksteuer auf Shisha-Tabak
Ab wann soll die Tabaksteuer auf Shisha-Tabak steigen?
Die erste von vier geplanten Stufen ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen, die letzte greift 2030. Voraussetzung ist, dass der Entwurf das Gesetzgebungsverfahren unverändert übersteht.
Wie teuer wird eine 200g Dose Shisha Tabak nach der Erhöhung?
Der Bundesverband Wasserpfeifentabak rechnet für 2030 mit bis zu 60 Euro pro 200-Gramm-Dose – heute liegen die Preise je nach Marke bei 27 bis 30 Euro.
Kann der Gesetzentwurf noch gestoppt oder geändert werden?
Ja, grundsätzlich schon: Der Referentenentwurf muss erst durch Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat. In diesem Verfahren sind Anpassungen möglich, auch wenn die Grundrichtung als gesetzt gilt.
Lohnt es sich, jetzt noch Shisha Tabak auf Vorrat zu kaufen?
Ungebrauchte, verschlossene Dosen sind lange haltbar, und Ware mit aktueller Steuerbanderole ist zum heutigen Steuersatz versteuert. Wer eine Stammsorte hat, kann sich vor der ersten Stufe 2027 also durchaus einen Vorrat anlegen – kühl, trocken und dunkel gelagert hält der Tabak sein Aroma am besten.
Muss ich für Shisha-Kohle künftig auch mehr bezahlen?
Nicht wegen dieses Entwurfs: Kohle unterliegt nicht dem Tabaksteuergesetz und ist von den geplanten Stufen ausgenommen.
Steigen die Steuern auf Liquids und Vapes ebenfalls?
Ja. Substitute für Tabakwaren sollen von 0,33 Euro je Milliliter (2027) schrittweise auf 0,36 Euro je Milliliter (ab 2030) angehoben werden.
Warum wird ausgerechnet Shisha-Tabak prozentual am stärksten belastet?
Weil die bisherige Steuerbasis mit rund 56 Euro je Kilogramm vergleichsweise niedrig war. Der Sprung auf 188,46 Euro fällt dadurch prozentual größer aus als bei jeder anderen Kategorie – obwohl Wasserpfeifentabak nur einen Bruchteil der erwarteten Mehreinnahmen liefert.
